AfA Sachsen-Anhalt läuft Sturm gegen Renten-Pläne: „Rente mit 70 und Rentenkürzungen sind ein sozialpolitischer Offenbarungseid!“

Die Arbeitsgemeinschaft für Arbeit (AfA) im SPD-Landesverband Sachsen-Anhalt steht an der Seite der Gewerkschaften und reagiert mit scharfer Kritik und großer Besorgnis auf die jüngsten Vorschläge eines Expertengremiums zur Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung. Die diskutierte schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ab den 2060er Jahren sowie eine Absenkung des Rentenniveaus auf 46 Prozent überschreiten aus Sicht der AfA eine klare rote Linie.

Lebensrealität in Sachsen-Anhalt wird ignoriert

Die AfA macht deutlich, dass solche Vorschläge an der Realität der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt vorbeigehen. In einer Region mit vielen Industriearbeitsplätzen, Pflegeberufen, dem öffentlichen Nahverkehr, Handwerk sowie strukturellen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt bedeutet eine Rente mit 70 für viele Beschäftigte faktisch eine Rentenkürzung.

Matthias Görner, Mitglied im AfA-Landes- und Bundesvorstand für Sachsen-Anhalt, erklärt:

„Wir müssen uns die Arbeitsrealität in Sachsen-Anhalt ehrlich anschauen. Wie soll ein Beschäftigter in der chemischen Industrie in Leuna, eine Pflegekraft in Halle oder ein Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr mit fast 70 Jahren noch dieselbe Leistung erbringen? Diese Pläne gehen völlig an den Menschen vorbei. Für viele bedeutet das: früher raus – mit Abschlägen. Das ist nichts anderes als eine verdeckte Rentenkürzung.“

Was 46 Prozent konkret bedeuten

Die Folgen eines Rentenniveaus von 46 Prozent lassen sich an einem Beispiel deutlich machen: Verdient ein Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr über sein Erwerbsleben hinweg durchschnittlich 3.000 Euro brutto im Monat, läge seine monatliche Bruttorente bei nur noch 1.380 Euro. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung blieben oft nur rund 1.200 Euro netto oder weniger.

„Das ist die bittere Realität hinter solchen Zahlen. Wer jahrzehntelang im Schichtdienst, unter Zeitdruck und mit hoher Verantwortung Bus fährt, soll am Ende mit einer Rente auskommen, die kaum zum Leben reicht“, so Görner weiter.

Gesundheitliche Folgen werden ausgeblendet

Besonders kritisch bewertet die AfA, dass gesundheitliche Belastungen systematisch ignoriert werden. Zahlreiche Studien – unter anderem von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) – zeigen, dass langjährige körperliche Arbeit, Schichtarbeit und hohe Arbeitsbelastung erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen.

Dazu zählen insbesondere:

  • ein erhöhtes Unfallrisiko im Alter,
  • eine deutlich steigende Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch dauerhafte Überlastung,
  • langfristige gesundheitliche Schäden durch Schichtarbeit und gestörte Schlafrhythmen.

„Wer ernsthaft fordert, dass Menschen bis 70 arbeiten sollen, ignoriert bewusst die gesundheitlichen Realitäten. Viele Beschäftigte erreichen schon heute das Rentenalter nicht gesund. Eine weitere Anhebung verschärft dieses Problem dramatisch – gerade in Sachsen-Anhalt, wo viele Menschen in belastenden Berufen arbeiten“, so Görner.

Doppelte Belastung: Länger arbeiten, weniger Rente

Die Kombination aus höherem Renteneintrittsalter und sinkendem Rentenniveau trifft insbesondere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit niedrigen und mittleren Einkommen.

„Eine Absenkung des Rentenniveaus auf 46 Prozent führt direkt in die Altersarmut. Gerade in Sachsen-Anhalt, wo Löhne noch immer unter dem Bundesdurchschnitt liegen, würde das für viele Menschen bedeuten, dass jahrzehntelange Arbeit nicht vor Armut im Alter schützt“, warnt Görner.

Solidarische Rentenpolitik statt Kürzungen

Die AfA Sachsen-Anhalt fordert stattdessen eine Stärkung der gesetzlichen Rente durch eine solidarische Erwerbspersonenversicherung, in die alle einzahlen – auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete. Zudem müssen gute Löhne, starke Tarifbindung und sichere Beschäftigung gestärkt werden, um die Rentenbasis langfristig zu stabilisieren.

Die Arbeitsgemeinschaft für Arbeit stellt klar:

„Wir stehen fest an der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wir werden jede Politik entschieden bekämpfen, die auf Kosten der Beschäftigten geht. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, hat Anspruch auf eine würdige Rente – und nicht auf Unsicherheit und Kürzungen.“

Görner abschließend:

„Die Lebensleistung der Menschen verdient Respekt. Eine Rente mit 70 lehnen wir entschieden ab. Wir brauchen eine Rentenpolitik, die Sicherheit gibt, Gesundheit schützt und ein würdiges Leben im Alter garantiert.“